Wissenswertes

Die wichtigsten Unterschiede zwischen Bio-Wein & konventionellem Wein

Der Unterschied im Anbau.

Das Ziel beim Bio-Weinbau liegt darin, den Weinstock als intaktes, komplettes Ökosystem zu gestalten. Auf freien Flächen des Weinstocks werden Büsche und Bäume angepflanzt, die unterschiedlichen Nützlingen als Lebensraum dienen. In den Gassen zwischen den Weinpflanzen werden nützliche Kräuter und bodenauflockernde Pflanzen kultiviert, die blühen und so vielen Insekten als Nahrung dienen.

Bio-Rotwein im Glas vor Weinberg im Hintergrund
Foto von Kym Ellis

Natürlichkeit im Fokus des Bio-Anbaus

Zum Düngen dürfen Kompost, Humus oder andere organische Nährstofflieferanten benutzt werden. So soll ein gesunder, intakter Boden dafür sorgen, dass die Weinpflanzen ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden. Denn nur gesunde Pflanzen bringen Früchte hervor, die sich ohne chemische Pestizide und Herbizide gegen die Angriffe von Schädlingen und Krankheiten zur Wehr setzen können. Im konventionellen Weinanbau werden häufig Herbizide verwendet, die den Boden stark schwächen.[1] Mikroorganismen, Pilze und nützliche Tiere, wie z.B. Würmer, leiden stark darunter und der Boden ist so geschwächt, dass die darin wachsenden Weinpflanzen ebenfalls geschwächt sind. Das führt wiederum dazu, dass die Pflanzen verstärkt durch Kunstdünger, Fungizide und Herbizide unterstützt werden müssen. Ein Teufelskreis, der kaputten Boden und Wein mit Rückständen der eingesetzten Chemie hinterlässt.

Weintrauben am Strauch
Foto von Amos Bar-Zeev

Geringeres Gesundheitsrisiko für die Winzerinnen und Winzer

Auch die Winzer und Winzerinnen setzen sich bei dieser Art des Weinbaus einem erhöhten Gesundheitsrisiko aus. So stehen viele der verwendeten Pestizide im konventionellen Weinbau unter Verdacht, Krebs und andere Krankheiten, wie Parkinson zu verursachen. [2], [3]

Bio-Winzerinnen und -winzer behandeln ihre Weinstöcke mit natürlichen, mineralischen Mitteln, die die Pflanzen stärken sollen und keine Rückstände hinterlassen. Außerdem ist die sogenannte Laubpflege ein wichtiger Teil der Arbeit auf dem Weinberg. Die Pflanzen müssen so beschnitten werden, dass viel Luft und Licht durchkommen. Dadurch sollen Erkrankungen der Pflanzen an beispielsweise Mehltau vorgebeugt werden. Schwefel und Kupfer dürfen jedoch ebenfalls beim Bio-Weinbau verwendet werden, wenn auch stärker reguliert, als beim konventionellen Weinbau.

Qualität statt Quantität im Bio-Weinbau

Oft ist der Ertrag im Bio-Weinbau geringer, als im konventionellen, da bei einem Pilzbefall keine chemischen Fungizide verspritzt werden können. Dafür wird der Bio-Winzer durch den gesunden Boden und die ständige Pflege seiner Pflanzen mit gesunden, gut gereiften und pestizidfreien Trauben belohnt. Der Bio-Weinbau setzt auf Qualität statt Quantität.

Foto von Sven Wilhelm

Der Unterschied im Geschmack

Viele Menschen gehen davon aus, Bio-Wein würde nicht schmecken. Dabei hat der Geschmack des Weines sehr viel mit dem Können und den persönlichen Vorlieben des Winzers/ der Winzerin zu tun. Geschmacklich sind Bio-Weine stärker von Wetter, Boden und Pflege abhängig, als die Weine des konventionellen Anbaus. Der Einsatz geschmacksregulierender Zusätze ist bei der Bio-Weinherstellung sehr stark limitiert. Es ist den Winzerinnen und Winzern so nicht unbedingt möglich, jedes Jahr einen Wein herzustellen, der immer gleich schmeckt oder unbedingt den Geschmack der breiten Masse bedient. Für viele Weinliebhaber ist aber gerade das ein willkommener Unterschied, für den sie gern etwas mehr bezahlen.

Der Unterschied im Weinkeller

Die konventionelle Weinherstellung nutzt viele verschiedene Zusatzstoffe und physikalische Verfahren, um den Wein dem Geschmack eines breiten Publikums anzupassen. Bei der Bio-Weinherstellung sind sehr viel weniger Zusätze und Verfahren erlaubt. Jedoch handelt es sich nicht um die Herstellung von sogenanntem Naturwein, bei dem gar keine Zusätze erlaubt sind. Auch der Bio-Wein darf (bis zu einem gewissen Maße) geschwefelt werden, um haltbarer gemacht zu werden. Geschmacksverändernde Zusätze, wie Tannine oder Gummi arabicum sind ebenfalls erlaubt.

Holzweinfässer in einem Weinkeller
Foto von Marvin L

Ein Irrglaube ist es, Bio-Wein sei automatisch vegan. Auch bei der Bio-Weinherstellung werden tierische Produkte benutzt. Eiklar, Fischblase oder Gelatine werden häufig zur Klärung von Weinen benutzt. Kasein, das aus Kuhmilch gewonnen wird, nimmt dem Rotwein einen Teil der Tannine und macht ihn so leichter. Soll der Bio-Wein vegan sein, muss er auch explizit als vegan ausgezeichnet sein. Wer Bio-Wein mit geringerer Anzahl an Zusätzen und geschmacksverändernden Verfahren während der Herstellung trinken möchte, muss sich mit den unterschiedlichen Herstellern und Labeln auseinandersetzen.

Bio-Wein oder Natur-Wein?

Naturweine sind Weine, die möglichst so hergestellt werden, wie es schon vor Jahrhunderten getan wurde. Die Verwendung von Hefen, Schwefel oder anderen Zusätzen ist nicht erlaubt. Die Weine werden nicht gefiltert, Most und Trauben werden nicht so schnell voneinander getrennt, was dazu führt, dass die Trauben auch beim Weißwein viel an Farbe abgeben. Naturweine sind häufig trüb und für den Anfang ungewöhnlich im Geschmack. Die Herstellung von Naturweinen ist wohl diejenige, die am stärksten von der Qualität der verwendeten Trauben abhängt. Es ist ein Trugschluss, dass alle Naturweine ökologisch oder biodynamisch[i] angebaut werden. Die Herstellung von Naturweinen ist gesetzlich nicht definiert. Wer also einen naturbelassenen Wein kaufen möchte, der außerdem in einem intakten Ökosystem gewachsen ist und keine Pestizidrückstände beinhaltet, sollte zusätzlich auf eines der folgenden Bio-Siegel achten.

Die Bio-Siegel

EU-Bio

EU-Bio-Siegel
EU-Bio-Siegel

Die Richtlinien für dieses Siegel sind quasi die Mindestanforderung an Bio-Weine. 95% der verwendeten Trauben müssen aus ökologischem Anbau stammen. Herbizide sind verboten, Pestizide dürfen in Notfällen eingesetzt werden. Gentechnisch veränderte Organismen dürfen nicht verwendet werden. Bis zu 50 Zusatzstoffe in der Weinherstellung sind erlaubt.

Ecovin

Ecovin-Siegel
Ecovin-Siegel

Markenzeichen des Bundesverbandes ökologisch arbeitender Weingüter in Deutschland. Alle teilnehmenden Weingüter müssen sich strengen, regelmäßigen Kontrollen durch den Bundesverband unterziehen lassen. Ziel ist es, Böden und Gewässer zu schonen. Die Mitglieder des Verbands verpflichten sich, nachhaltig zu wirtschaften, den Weinberg so zu bepflanzen, dass Artenvielfalt gefördert und die Böden gesund gehalten werden.

Bioland

Bioland-Siegel
Bioland-Siegel

Chemisch-synthetische Insektizide sind absolut verboten (nach EU-Biorichtlinien in Notfällen erlaubt). Gentechnisch veränderte Organismen dürfen nicht verwendet werden, alle verwendeten Zutaten müssen aus Bioland-Erzeugung stammen. Fremdzutaten sind nur zugelassen, wenn diese von Bioland-Betrieben nicht hergestellt werden. Insgesamt sind nur 20 Zusatzstoffe zugelassen und der gesamte Betrieb muss Biolandwirtschaft betreiben.

Naturland

Naturland-Siegel
Naturland-Siegel

Chemisch-synthetische Insektizide sind absolut verboten (nach EU-Biorichtlinien in Notfällen erlaubt). Gentechnisch veränderte Organismen dürfen nicht verwendet werden. Insgesamt sind nur 20 Zusatzstoffe zugelassen und der gesamte Betrieb muss Biolandwirtschaft betreiben.

Demeter

demeter-Siegel
demeter-Siegel

Chemisch-synthetische Insektizide sind absolut verboten (nach EU-Biorichtlinien in Notfällen erlaubt). Gentechnisch veränderte Organismen dürfen nicht verwendet werden. Düngemittel sind nur zugelassen, wenn sie biodynamisch sind. Die Ernte soll nach Möglichkeit per Handlese erfolgen, wobei der Einsatz von Maschinen nicht verboten ist. Es dürfen nur Trauben aus dem biologisch-dynamischen Anbau verwendet werden. Insgesamt sind nur 13 Zusatzstoffe zugelassen.

Unsere beliebtesten Bio-Weine

Unsere Bio-Weine nach Anbauregionen

Bio-Weine in Gläsern auf einem Holzfass
Foto von Maksym Kaharlytskyi

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[i] Die biodynamische Landwirtschaft ist eine Wirtschaftsweise, die auf den Ideen Rudolf Steiners beruht. Der landwirtschaftliche Betrieb wird als Organismus gesehen, der Feldwirtschaft, Viehwirtschaft, Saatgutproduktion und Landschaftspflege umfasst. Ziel ist es, so wenig Substanzen wie möglich von außerhalb zuzuführen und den Betrieb optimal in seine Umgebung zu integrieren. Natürliche Düngemittel, wie z.B. Kuhmist kommen vom eigenen Betrieb. Boden und Pflanzen werden als eine Einheit verstanden, weshalb eine intensive Bodenpflege mit den natürlichen Mitteln des eigenen Betriebs unternommen wird. Da Landwirtschaft und Umgebung im Einklang miteinander stehen sollen, wird ein großes Augenmerk auf eine hohe Biodichte und Artenvielfalt gelegt.


[1] Platthaus, M (2018) „Experten warnen vor Auswirkungen für Weinreben durch Herbizideinsatz“
https://www.laborpraxis.vogel.de/experten-warnen-vor-auswirkungen-fuer-weinreben-durch-herbizid-einsatz-a-732079/
Zaller Et al (2018) „Herbicides in vineyards reduce grapevine root mycorrhization and alter soil microorganisms and the nutrient composition in grapevine roots, leaves, xylem sap and grape juice”
https://link.springer.com/article/10.1007/s11356-018-2422-3

[2] Buchter, A. (2011) „DIAGNOSTIK ARBEITSBEDINGTER ERKRANKUNGEN und arbeitsmedizinisch-diagnostische Tabellen.“ http://www.uks.eu/fileadmin/UKS/Einrichtungen/Fachrichtungen_Theor_und_Klin_Medizin/Arbeitsmedizin/Diagnostische_Tabellen/diag_tabellen.pdf

[3] Schlumberger, Krautter (2003) „Pestizide machen krank“
https://www.greenpeace.de/themen/landwirtschaft/pestizide-machen-krank
Krautter, M. (2003) „Pestizide machen krank“
https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/greenpeace_pestizide_machen_krank_1.pdf